Münchner Merkur vom 18.08.2006

Werdenfelser Urgestein mit viel Herz

Josef Fraundorfer stirbt im Alter von 74 Jahren - Engagiert für Politik und Heimat.

Garmisch-Partenkirchen – Als "besonders herzlichen Mensch" beschreibt Landrat Harald Kühn den Partenkirchner Josef Fraundorfer. Wo der 74-Jährige auftauchte, herrschte stets ein freundlicher Ton. Kurz vor seinem 75. Geburtstag ist der Hotelier gestern nach schwerer Krankheit gestorben. "Ein großer Verlust", meint Kühn, der auch CSU-Kreisvorsitzender ist. 24 Jahre lang vertrat Fraundorfer die Interessen der Partei und vor allem die seiner Wähler im Gemeinderat, von 1984 bis 2002 saß er zudem im Kreistag. In beiden Gremien engagierte er sich auch in verschiedenen Ausschüssen.

Während im Rathaus und Landratsamt meist heftig politisiert wurde, war das am Stammtisch in seiner Traditions-Gaststätte absolut tabu. Hier widmete sich Fraundorfer, der den Betrieb 2000 an seine Töchter Barbara und Andrea übergeben hatte, mit seiner Herzlichkeit, seinem Charme – "und manchmal auch ein bisschen spitzbübisch" – den Gästen. "Er war ein Gastwirt wie aus dem Bilderbuch", meint Klaus Hilleprandt, früherer Ortsobmann des Hotel- und Gaststättenverbandes sowie Präsident des Skal-Clubs, dessen Gründungsmitglied Fraundorfer war. Durch seine Art habe er auf die ganze Welt Eindruck gemacht.

Freilich setzte sich Josef "Beppi" Fraundorfer, der die Meere als Schiffskoch von Hamburg bis Japan bereist hatte, auch lange Jahre als Zunftmeister für die Brauer, Metzger und Wirtsleute ein. Aber auch im Partenkirchner Handwerksverein St. Josef, dem Josefi-Verein, engagierte er sich – 16 Jahre als Erster Vorsitzender, später im Ausschuss. "Der Verein lag ihm sehr am Herzen", weiß Josef Baudrexl, der jetzige Erste Vorsitzende. Unter Fraundorfers Ägide wurden unter anderem der Bildstock am Esterberg und die Kirchenfahne restauriert. Größzügige Unterstützung ließ der Familienvater außerdem stets der Gebirgsschützen-Kompanie Partenkirchen zukommen. Einen "großen Gönner" nennt ihn Hauptmann Anton Witting. Für seine Verdienste wurde Fraundorfer, der 30 Jahre Adjutant der Kompanie war, zum Ehrenoberleutnant ernannt. Neben zahlreichen Medaillen und Auszeichnungen, die er auch von Landkreis, Markt und Vereinen erhielt, bestimmte ihn das Gebirgsschützen-Bataillon Werdenfels zum Ehrenmitglied.

Er sei einfach ein Original, ein Urgestein gewesen, unterstreicht Landrat Harald Kühn, der mit der Familie fühlt. "Und er hat in besonderer Weise Partenkirchen verkörpert."